Montag, 22. August 2016

Blogparade "Mama ausgebrannt - Wege aus der Krise" - Teil II

Magna-Mater ruft auf zur Blogparade Mama ausgebrannt - Wege aus der Krise und beschäftigt sich mit einem wichtigen Thema: Erschöpfungszustände und postpartale (postnatale) Depressionen bei Müttern. Chutriel hat vor kurzem einen sehr ehrlichen Blogbeitrag über das Thema geschrieben und nun möchte ich in einem zweiten Teil meine Erfahrungen untermischen.

Ich erzähle euch jetzt meine Geschichte von Erschöpfung. Das Ausgebranntsein, das ich besonders nach der Geburt meiner zweiten Tochter erlebte, das hatte ich mir selbst zum Großteil verschuldet. Das weiß ich heute ebenso, wie ich es damals wusste, aber es gab so viele Dinge, die MUSSTE ich hinbekommen. Super-Mum! Leider vergaß ich, dass ich gar keine Superkräfte hatte und es mit irdischen Energien stemmen musste. Die Elternzeit meines Mann glänzte als super Voraussetzung, um mein Studium zügig abzuschließen, aber in der Realität ging dann doch nicht alles so lockerflockig von der Hand. Das Stillen nahm mir das kleine bisschen irdische Kraft und wache Nächte und vor allem lange Abende mit Babygeschrei und Kleinkind-Widerständen zerrten an mir, als wäre noch irgendwo Energie zu plündern.

Der Supergau mit Baby 2 und Masterarbeit

In den ersten sechs Monaten nach der Geburt, in denen viele Mütter sich ausschließlich aufs Baby konzentrieren, schrieb ich meine Masterarbeit. Warum nicht? So ein kleines Projekt schiebt man schon irgendwo dazwischen. Vollzeitstillen, Nebenjobs und Babymassage. Das könnte als Auslastung genügen, doch Super-Mum setzt sich noch in die Bib. Was war das für ein Wahnsinn, sag ich euch!

Man vergisst so viel. Ich wusste noch, dass Babys anstrengend sind, aber nach 1,5 Jahren hatte ich es doch weit genug verdrängt, um mich davon beeindrucken zu lassen. Irgendwie wird es schon gehen. Die Betonung liegt auf irgendwie, denn mein Mann kämpfte natürlich auch mit Schlafmangel und verzweifelte, weil die Haushaltsführung mit den zwei Kleinen eine echte Herausforderung war. Da konnte ich ihn nicht alleine lassen und außerdem wollte ich auch für meine Kinder da sein. Wer nimmt sich nicht vor, die Zeit mit Baby zu genießen? Also buchte ich den Babymassagekurs. Das wird schon irgendwie gehen.

Eine Entschleunigung als frisch-gebackene Familie wäre sicher nicht verkehrt gewesen. Woher kam die Eile? Mich trieben einige äußere Faktoren an, das Studium schnell hinter mich zu bringen und dann zu arbeiten: Als Bafög-Empfängerin musste ich mich an die Regelstudienzeit halten oder Rechenschaft ablegen, warum ich länger studieren will (Das ist echt mühsam und nervig). Außerdem wurde das Elterngeld meines Mannes wmit Hartz IV aufgestockt, nicht viel, da auch meine Verdienste gegengerechnet wurden, doch das fühlte sich einfach nicht gut an. Hartz IV. Nein, das wollte ich nicht länger als nötig beziehen. Und zu guter letzt gab es den alles entscheidenden Grund: Ein Jobangebot ab April. Das bedeutete, dass mir von der Geburt der Kleinen bis zur Abgabe der Masterarbeit 6 Monate Zeit blieben. Das sollte irgendwie zu schaffen sein.

Ausnahmezustand Baby

Irgendwie stellte es aber alles auf den Kopf. Wir befanden uns im Ausnahmezustand. Wie gut-organisierte Zombies schufteten wir uns durch den Tag: Masterarbeit, Jobs und Babymassage verschwimmen in meiner Erinnerung zu einem Einheitsbrei. Kinderwagen schieben und Fußnoten sortieren – So sah der Alltag aus. Freunde traf ich nicht mehr und legte meine Hobbys auf Eis. Freizeit hätte ich nirgendwo unterbringen können. Mir war in der Zeit sowieso alles zu viel. Egal bei welcher Aufgabe, man musste 100%ig da sein und das strengte mich sehr an. Ich hätte gern viel zu viel Kaffee oder Bier getrunken, aber das Stillen machte mir einen Strich durch die Rechnung.

Besonders vor den Abenden fürchtete ich mich, wenn die Kinder schrien und an Schlafen nicht zu denken war. Wieso könnte ich um 19 Uhr pennen und die Knirpse hielten bis 23 Uhr durch?

War es irgendwie zu viel? Sicherlich. Nur kann ich mir zum Beispiel auch nicht vorstellen, wie Mütter es schaffen mit Baby und Kleinkind allein fertig zu werden, z. B. während der Mann arbeitet. Ganz zu schweigen von Alleinerziehenden, die nicht einmal abends Ablösung bekommen. Ich hätte gerne mehr geschlafen in dieser Babyzeit, anstatt zu arbeiten oder mich mit Literatur herumzuschlagen, aber das können andere Mütter ja auch nicht. Babys bringen einen an die eigenen Grenzen, aber es war immer absehbar: Das geht vorbei und es wird wieder besser.

Fehlende Untersützung

Von Beginn an haben mein Mann und ich als Team zusammen gearbeitet. Das war auch wichtig, da wir keine andere Unterstützung hatten. Unsere Familien wohnten nicht in der Nähe. Dennoch haben wir ein paar dumme Fehler gemacht:


  • Die große Tochter war zu Hause. Mit 1,5 Jahren hätte sie auch schon in einen Kindergarten oder zu einer Tagesmutter gehen können, was uns vieles erleichtert hätte. Wir merkten die Herausforderung mit zwei Kindern allerdings zu spät. Als wir am Ende unserer Kräfte nach KiTa oder Tagesmutter suchten, fanden wir natürlich nichts auf die Schnelle. So etwas darf einem nicht spontan einfallen.
  • Freunde von uns haben sich schlau gemacht und sind auf tolle Angebote gestoßen, von denen wir erst im Nachhinein erfuhren. In Bonn gibt es sowohl "Familienpaten" als auch "Wellcome Engel", die jungen Familien unter die Arme greifen.
  • Wir hätten mehr Hilfe einfordern sollen. Es wäre sicherlich hin und wieder möglich gewesen, dass Familienangehörige meines Mannes, die nicht so weit weg wohnen, mal ein paar Tage vorbei gekommen wären und geholfen hätten. Man muss nicht immer alles allein bewältigen.
  • Wir hätten uns einen Babysitter zutrauen sollen. Damals schien es uns ein nicht zu bewältigender Aufwand, einen Babysitter zu casten und die Kinder an ihn zu gewöhnen. Im Nachhinein denke ich, dass es sich gelohnt hätte, diesen Aufwand zu betreiben.
Was ich daraus gelernt habe

Nach Abgabe der Masterarbeit fiel eine große Last von meinen Schultern und als die große Tochter mit 2,5 Jahren in den Kindergarten kam, entspannte sich unser Leben deutlich. Gleichzeitg hatten wir auch kein Baby mehr im Haus, da nun auch die kleine Tochter ein Jahr alt geworden war. Es wurde ruhiger.

Tatsächlich mussten wir "nur" durchhalten, aber man hätte es einfacher haben können. Warum wollte ich so eine Super-Mum sein? Mama mit Master? Bussinessmum? Naja, zugegebener Maßen fühlte es sich die damit einhergehende Bewunderung gut an. Studieren und Nebenjobs und zwei Kinder. Masterarbeit mit Note 1,3. Direkt nach dem Studium eine Arbeitstelle in der Tasche. Vollzeit versteht sich. Das kraulte natürlich das eigene Ego! Im Gegensatz zu Müttern und Vätern, die sich voll den Kindern widmen bekommt man als Macht-noch-jede-Menge-nebenbei-Mum viel Anerkennung, was schön ist, aber auch eine Falle sein kann.

Trotzdem gilt: Das Leben mit Baby ist Leben am Limit und ich kann nur allen empfehlen, meine oben aufgeführten Fehler zu vermeiden. Unterstützung von außen kann helfen, Erschöpfungszustände zu vermeiden. Gerade wenn man als Mutter oder Vater den ganzen Tag allein mit den Kindern stemmen muss, sollte man sich Auszeiten schaffen. Wenn dabei keine Familie unterstützen kann, googelt doch mal, ob es nicht auch bei euch Wellcome-Engel, Familienpaten, Tagesmütter, Vorkindergärten, Babysitter oder ähnliches gibt. Super-Mums sind wir trotzdem alle!!

Freitag, 19. August 2016

Blogparade "Mama ausgebrannt - Wege aus der Krise"

Magna-Mater ruft auf zur Blogparade Mama ausgebrannt - Wege aus der Krise und beschäftigt sich mit einem wichtigen Thema: Erschöpfungszustände und postpartale (postnatale) Depressionen bei Müttern. Da mir solche Themen immer wichtig sind und ich mich selbst als betroffen einschätze, mache ich doch gerne mit und hoffe auf weitere Folgebeiträge, um die Problematik bekannter zu machen!

Wie Melanie Couson (hier ihr Beitrag zur Blogparade) erkannte ich lange Zeit nicht, dass mich eine postpartale Depression im Griff hatte. Ich konnte meine permanente Erschöpfung der ersten 1,5 Jahre nach der Geburt von Sohn Nr.1 auf die damaligen Lebensumstände zurückführen: erst die Frühgeburt vom Kind, die Komplikationen vom Kaiserschnitt, der direkte Umzug nur wenige Monate später in ein zu renovierendes Eigenheim und der damit einhergehende Verlust meiner gewohnten Umgebung und nicht zuletzt das niemals schlafende Kind (Wieso schläft er nicht?).

Ich war so erschöpft. Erschöpft in dem Sinne, dass ich schon beim bloßen Gedanken daran, mich zu irgendwas aufraffen zu müssen, am liebsten in Tränen ausgebrochen wäre. Der Alltag lief aber, das Kind wurde von mir versorgt, ich lotterte nicht total rum und „nebenbei“ stemmte ich tatsächlich einiges: zwei Umzüge, den kompletten Haushalt alleine und einen Hauskauf plus der Renovierung.

Das wäre schon unter normalen Umständen viel, direkt nach der umwälzenden Erfahrung, ein Kind zu bekommen, war das aber tatsächlich unmenschlich. Und ich bekam keine Hilfe. Niemand sah die Belastung oder hatte Verständnis für Gefühle der Überforderung.

Das Arbeitstier Mutter

In einer Gesellschaft, in der wir selbstbestimmt Kinder in die Welt setzen können und „es uns doch gut geht“, gibt es ja schließlich keinen Grund zu klagen. Im Gegenteil, merkte ich an, wie anstrengend etwas sei, wurde ich für solche Aussagen abgestraft.
  • "Dann hättest du kein Kind bekommen sollen.“ (oder das zweite nicht, wie aktuell gerne angemerkt wird)
  • "Ich weiß gar nicht, was du hast. Früher haben wir das auch geschafft."
  • "Andere gehen noch zusätzlich arbeiten oder sind alleinerziehend."
  • "Dein Kind ist doch gesund/so süß/artig/unproblematisch."
  • "Du musst einfach öfter rausgehen.“

Laut meines direkten sozialen Umfeldes hatte ich also keinen Grund, mich schlecht zu fühlen. Im Gegenteil wurde der Mann eher bemitleidet und natürlich extrem dafür hofiert, was ER alles leistete. Den Vollzeitjob, nach Feierabend das Eigenheim renovieren, in seiner „Freizeit“ mit dem Kind spielen und dann AUCH NOCH Kochen (bester Spruch meiner Schwiegermutter).

Der arme Kerl. Als er vor mir stand und wagte, ebenfalls unglücklich mit der Situation zu sein, hätte ich ihn am liebsten verlassen. Ich fühlte mich unsichtbar, niemand achtete auf mich, auf meinen Zustand oder meine Bedürfnisse. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nämlich schon seit fast einem Jahr das Gefühl, mich komplett verloren zu haben, ein halbes Jahr später konnte ich vor Schwindel morgens kaum noch aufstehen. Aber eine postpartale Depression? Daran habe ich nie gedacht.

Hätte ich mein Kind nicht annehmen können oder eine explizite Ablehnung ihm gegenüber empfunden, wäre mir vielleicht klar gewesen, dass irgendwas nicht stimmt.

Wie es mir ging

So aber fühlte ich mich schlicht ausgebrannt und hatte weder Energie, noch Interesse oder Freude an irgendwas. Ich ging nur noch raus, um meinen Sohn in die Krippe zu bringen und ihn abzuholen. Mich mit anderen Menschen außer ihm auseinandersetzen zu müssen, war pure Quälerei. Nach Treffen mit Freunden oder der Familie – was ja eigentlich eine Wohltat sein sollte – musste ich mich erstmal eine ganze Woche von so viel Aufwand erholen. Denn eigentlich wäre ich am liebsten zusammengrollt auf dem Boden liegen geblieben. Nach anfänglicher Euphorie darüber „mal rauszukommen“, besuchte ich schnell keine Krabbel- oder Mutter-Kind-Kurse mehr. Das war mir schlicht zu anstrengend.

Die körperlichen Auswirkungen waren ebenfalls enorm: ständige Kopfschmerzen, heftiger Schwindel, ich habe kaum gegessen und war wirklich ständig gereizt (alles Symptome einer postpartalen Depression). An sehr schlechten Tagen brüllte ich mein Kind an, an den meisten anderen zickte ich meinen Mann an. Teilweise sah ich die Schuld bei ihm, wollte er doch auch eine Familie haben, aber ich war diejenige, die sich um alles zu kümmern hatte. Ich fühlte mich allein gelassen mit allem und hatte trotzdem nie Ruhe.

Obwohl wir vorher eine gleichberechtigte Partnerschaft führten, fielen auch wir in die traditionellen Rollen zurück. Ich habe jede Minute davon ehrlich gehasst, da mir gleichberechtigte Anteile an Familien- und Erwerbsarbeit immer wichtig waren.

Trotzdem war der Gedanke daran, irgendwann wieder arbeiten gehen zu müssen, der bloße Horror. Schließlich brauchte ich zu dem Zeitpunkt alleine schon drei Stunden nach dem Aufstehen, um überhaupt in die Gänge zu kommen. Trotz der Masse an Zeit rannte ich ihr hinterher, die Tage zerflossen in einem gefühlten Einheitsbrei und die Relevanz jeder Tätigkeit nahm ab. Ob ich etwas jetzt, morgen oder nächste Woche erledigte, wen interessierte es? Wischte ich den Boden in den heiligen 30 Minuten Mittagsschlaf vom Kind, kleckerte es danach eh wieder alles voll. Außerdem trampelte jeder andere männliche Familienangehörige am Abend sowieso mit Baudreck durchs Haus.

Also ließ ich es. Und es fiel nicht auf. Das Hamsterrad aus stundenlanger Hausfrauenarbeit, die erstens niemand bemerkt (und schon gar nicht würdigt) und zweitens am nächsten Tag von vorne losging, frustrierte mich enorm. Die Sinnlosigkeit des Tuns sorgte dafür, dass ich gar nichts mehr tat. Ich dachte, ein Kind zu bekommen, würde meinem Leben den finalen Sinn geben, statt dessen fragte ich mich jeden Tag, welche Bedeutung das alles haben soll. Ich fand mein Leben ziemlich ätzend und nur weil das Kind wirklich so wundervoll ist, schrie ich nicht laut "Jawoll!" als die ganze #regrettingmotherhood Diskussion aufkam.

Aber ich verstand diese Mütter aus tiefstem Herzen. Ich empfand die abverlangte Aufopferung, das stetige Zurückstellen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse bei gleichzeitig permanenter Kritik und Herabwürdigung meines Tuns mehr als nur frustrierend. Sogar eher niederschmetternd.

Dazu diese ständige Müdigkeit.

Trotzdem konnte ich nachts nicht schlafen. Zwar schreckte der Sohn regelmäßig auf, aber auch in längeren Schlafphasen versäumte ich Erholung, in dem ich unruhig neben ihm wach lag (ein weiteres Symptom einer postpartalen Depression).

Da dachte ich noch, würde sich der Nachtschlaf wieder einstellen, würde es mir auch endlich besser gehen. Also probierten wir alles Mögliche, um das Kind ins Bett zu kriegen. Vor 1,5 Jahren hatten wir nach totaler Erfolglosigkeit einen Beratungstermin am Deutsch-Dänischen Institut für Familientherapie in Brandenburg. Dort wurde mir in aller Deutlichkeit gesagt, dass ich die Ursache für das schlechte Schlafen meines Kindes war. Dass es mir schlecht ginge und ich mich erstmal wieder um mich kümmern müsse (hier der Post dazu), bevor sich die familiäre Situation entspannen könne. Damals konnte ich das nicht wirklich nachvollziehen.

Jetzt, im Nachhinein betrachtet, muss ich zugeben, dass die Therapeuten dort Recht hatten.

Mein Weg aus der Depression

Obwohl ich der Diagnose der Therapeuten in Berlin anfangs nicht zustimmte, änderte ich trotzdem einiges an meiner Lebenssituation. Ich forderte Hilfe ein und traf wieder selbstbestimmte Entscheidungen. Ich arbeitete auf, was mich belastete und beschäftigte mich mit mir selbst. Anstatt mich nur um das Kind zu drehen und mich zur gefühlten Bedürfniserfüllerin für ALLE anderen Familienangehörigen denunzieren zu lassen, nahm ich mir ab da, was ich brauchte.

Die gesamte Auseinandersetzung mit der Frühgeburt meines Sohnes war ein harter Weg. Ich fühlte mich auch knapp 1,5 Jahre danach immer noch schuldig und war überzeugt davon, dass er Schaden davon getragen hatte (noch so ein Symptom...).

Dass ICH eigentlich diejenige war, die dadurch beschädigt ins Familienleben startete, wurde mir aber erst mit der zweiten Schwangerschaft bewusst. Das zweite Kind bekommen zu wollen, war gefühlt die erste selbstbestimmte Entscheidung seit Jahren und setzte meinen Heilungsprozess in Gang.

Endlich positive Bestärkung

Mir half die Begleitung meiner Hebamme durch die zweite Schwangerschaft sehr. Sie arbeitete mit mir die erste auf, erklärte mir die Zusammenhänge zwischen meiner Gefühlslage und dem Erlebten (auch wissenschaftlich fundiert – das half mir mehr als jede esoterische „Herzverbindung-Bonding-Gedöns-Geschichte“) und das Wichtigste: bestärkte mich positiv in so ziemlich allem, was ich tat und vorhatte. Meine Rolle als Mutter wurde in ihrer Relevanz und Wichtigkeit hervorgehoben anstatt wie im bisherigen Familienleben zur Randerscheinung zu verkommen.

Das war komplett neuer Wind in meinem Leben. Ich fasste den Mut, wieder mehr auf mich zu hören und durchzusetzen, was mir wichtig war.

Dass ich meinen zweiten Sohn selbstbestimmt und außerklinisch zur Welt bringen konnte, war für mich die finale Versöhnung mit dem Ablauf und dem Ende der ersten Schwangerschaft. Ich fühlte mich auch ganz anders. Endlich war ich wieder bei mir, mir meiner Selbst bewusst und war wie aus einem Nebel aufgetaucht. Ich hatte wieder Kraft und Energie - trotz Stillkind, was ja auch körperlich sehr anstrengend war. Obwohl ich mich vorher ständig niedergeschlagen fühlte, erlebte ich nach der Geburt von Sohn Nr. 2 einen ganz anderen Hormonrausch. Ich war voller Energie und ihr Fehlen in den gesamten Jahen davor wurde mir dadurch erst richtig bewusst. Da wurde mir zudem auch erst bewusst, wie fremdbestimmt ich seit der Geburt von Sohn 1 durch mein Leben geschubst wurde. Erst von den Ärzten im Krankenhaus, danach von den Kinderkrankenschwestern in der Kinderklinik und dann von meiner Familie.

Also sagte ich NÖ, das musste aufhören. Endlich hatte ich wieder Kraft, für mich selbst einzustehen.

Nein zu anderen, Ja zu mir selbst sagen

Nach der Geburt von Sohn 2 setzte ich alles daran, wieder zurück in die Art von Leben zu finden, die mir persönlich immer wichtig war. Ich hatte konkrete Punkte, die ich umsetzen konnte:
  • Endlich wieder arbeiten, und zwar meiner Profession nachgehen und nicht „nur“ Dazuverdienen
  • weg vom Land und wieder zurück in die Stadt ziehen
  • Wegstreichen, was unnötig Zeit und Nerven kostet: dazu gehörte unser Eigenheim 
  • Als Eltern und Ehepaar wieder an einem Strang zu ziehen und unsere Vorstellungen von Familienleben unabhängig der gängigen Konventionen und Hindernissen durchsetzen

Seit zwei Monaten machen wir das alles. Ich habe einen Job in der Forschung gefunden, wir sind zurück in die Stadt gezogen und mein Mann hat die Elternzeit übernommen.

Zwar stecken wir gerade im absoluten Umzugsstress und haben auch mit einigen Unsicherheiten und Problemen zu kämpfen, trotzdem erlebe ich nicht mehr eine Sekunde die Gefühle von Gefangensein, Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit. Obwohl unser Leben – rein objektiv betrachtet – um etliches anstrengender geworden ist.

Auf Grund dieses Vergleiches bin ich im Nachhinein wirklich überzeugt, nach der Geburt von meinem ersten Kind unter einer postpartalen Depression gelitten zu haben, die durch die zweite Schwangerschaft irgendwie ausgebrannt wurde. Nach der Geburt von meinem zweiten Sohn erlebte ich nicht einen Tag Babyblues, wohingegen sich die 2,5 Jahre davor wie ein ständiger anfühlten.
Und trotz unzähliger Arztbesuche, Gespräche im Freundes- und Familienkreis und unserer Vorindikation (die Frühgeburt des Kindes bewirkt ein erhöhtes Risiko), wurde die Möglichkeit nicht einmal in Erwägung gezogen.

Und das finde ich schon ziemlich…bemerkenswert. Im unguten Sinne.


Deshalb hoffe ich, mit meinem Beitrag zur Blogparade einen kleinen Beitrag zum Bekanntwerden dieser Problematik leisten zu können! Fühlt euch bitte frei, von euren Erfahrungen zu berichten und die Blogparade bekannter zu machen! Gerne veröffentliche ich euren Post auch anonym oder als Gastbeitrag, wenn ihr keinen eigenen Kanal dafür habt :)!

Sonntag, 14. August 2016

Die 5 witzigsten Kommentare zu den Zeichnungen meiner Tochter

Von den Zeichnungen krakeliger Wirbelstürme kommt meine Tochter inzwischen zu dem Anspruch, ihre Erlebnisse realistischer abzubilden. Man findet Beine, Augen und Flügel auf dem Papier und gleichzeitig wird die Phantasie des Betrachters herausgefordert.

Ich machte mir einen Spaß daraus, einige ihrer Kunstwerke auf Facebook freizugeben mit der Frage "Was ist das?" – Hier folgen die fünf witzigsten Antworten.

1.

"Taube im Liegestuhl"

Der Antwortende hat ganz gut hingeschaut: Links unten blinzeln zwei Augen aus der Ecke des Papiers und Flügel besitzt dieses Tierchen ebenfalls. Was es aber auf jeden Fall nicht tut, ist liegen. Ganz im Gegenteil: Es flattert! Meine Tochter hat hier einen bunten Schmetterling gezeichnet.
 
2.

"Maus mit herabhängenden Schnurrbart"
 
Nach diesem Kommentar sah ich die Maus auf jeden Fall auch. Vorn die kleine, runde Stupsnase und den Schnurrbart. Aber weit gefehlt: Die großen Ovale stellen sich erneut als Flügel heraus: Hier steht ein Käfer.

3.

"Das ist Pinocchio in dem Moment als ihn die gute Fee zum Esel verzaubert."

Wow! Was man nicht alles in eine Zeichnung hineindeuten kann! Aber tatsächlich blickt das kleine Wesen erschrocken und traurig. Über seine langen Ohren? Oder die fehlenden Arme? Das kann ich leider nicht berichten, aber verwandelt wurde es meines Wissens nach nicht. Es ist ein Hase.
 
4.

"Anna, Elsa, Olaf und Sven oder?"

Mit dieser Antwort gewinnt man auf jeden Fall das Herz der kleinen Zeichnerin, denn Anna und Elsa aus dem Film "Frozen" sind ihre absoluten Lieblinge. Nichtsdestotrotz hat sie hier etwas anderes gemalt und zwar – von links nach rechts – ihren Papa, sich selbst, ihre Schwester und mich. Hm... Ich lege das Bild lieber keinem Psychologen vor.
 
5.


"Belegte Salamipizza zum Frühstück"

So daneben lag der Antwortende nicht. Es gibt hier tatsächlich etwas zu essen, aber keine Pizza, sondern Kartoffeln. Mila zeichnete sich (rechts) mit ihrem Papa (links) beim Kartoffeln kochen.